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REITERHOF Spreeidyll            Pferd & Hund

Andrea Pfeiffer 

Hauptstraße-26          15528 Spreenhagen

Tel.: 033633 / 65070      Fax: 033633 / 65017 Funk:0173/6619899     

Friesen@spreeidyll.de

Reitshop@spreeidyll.de

Stand  14.01.2007

Reiterhof,Reitshop,Reitunterricht,Ausritte, Brandenburg, Berlin

Auf dieser Seite finden Sie Sprüche und sonstige “Weisheiten “ zum Nachdenken, die unsere Arbeit mit Pferden und Reitern widerspiegeln

“Ein Pferd ohne Reiter ist immer ein Pferd, ein Reiter ohne Pferd ist nur ein Mensch” (Zitat)

Jedes Pferd will...

In unseren Pferden steckt ausnahmslos mehr, als wir ihnen zutrauen
von Corinna Scholz www.team-legerete.de

Es ist schon ein Kreuz mit den Reitweisen. Englisch, Western, Iberisch, Klassisch, Barock - was antworten Sie auf die Frage, welche Reitweise Sie ausüben?
Die "Freizeitreiter" haben es gut, die können sich von allem das Beste heraussuchen. Aber - können wir das nicht alle?

Raus aus Schablonen!
Lassen Sie Ihrem Pferd ein Mitspracherecht bei der Wahl der Reitweise(n).
Ja, warum eigentlich nicht mehrere? Sie sollen Ihr Pferd ja nicht vollkommen durcheinander bringen, aber die Chance, in andere "Welten" hinein zu schnuppern, sollten Sie weder sich selbst noch ihrem Pferd vorenthalten.
Hatten Sie als Kind die Möglichkeit, verschiedene Musikinstrumente oder Sportarten auszuprobieren? Vielleicht sind Sie so auf Dinge gestoßen, bei denen Sie mit Freude geblieben sind?
Gestehen Sie Ihrem Pferd und sich zu, Horizonte zu erweitern, auszubrechen aus Schablonen; lassen Sie Sätze wie "das war schon immer so" hinter sich, versuchen Sie zu ergründen, wo Ihre Stärken und Schwächen liegen und tun Sie dasselbe bei Ihrem Pferd. Sie werden feststellen, dass “Grenzen” vielleicht gar keine sind, sondern sogar eine Bereicherung darstellen können!

Mein selbst gezogener Hannoveraner, ein 1992 geborener For-Pleasure-Sohn, war es, dem ich diese Einsicht verdanke. Nachdem ich mich über 20 Jahre im FN-Turniersport herumgetrieben habe, "zwang" er mich durch seine etwas spezielle Art, dies nicht länger als das Non-Plus-Ultra zu betrachten. Ich war in den Disziplinen Military, Dressur und Springen bis zur Klasse M erfolgreich, hatte die Ausbildung zur Bereiterin (FN) absolviert und war der Meinung, eine ganze Menge über Pferde und den Reitsport zu wissen.
"Fiete" belehrte mich in seiner unnachahmlichen Art eines Besseren.
Im Nachhinein möchte ich es so beschreiben: Ein Mensch geht zur Schule, lernt dort eine ganze Menge, merkt aber nie, dass es außer den zwei, drei Fächern, die er belegt, noch mindestens zwanzig weitere gibt. Er ist zufrieden in seiner kleinen Welt, nimmt Dinge als gegeben hin, die gelehrt werden, weil sie "schon immer so gemacht wurden".
Das einzige, was mich in dieser meiner reiterlichen Welt unzufrieden machte: Ich wollte noch mehr Harmonie, noch mehr Leichtigkeit - aber ich schien die Einzige zu sein, die danach suchte. Wonach ich suchte wusste ich erst nachdem ich Kenntnis von der Existenz der Spanischen Hofreitschule erlangt hatte.
Westernreiter und Gangpferde gehörten immer mehr zum Bild auf Messen und großen Veranstaltungen - es tat sich was und ich wurde immer neugieriger.
Ein weiterer Horizont tat sich auf, als die ersten Iberer bzw. Barockpferde in Schaubildern zu sehen waren und ich ein Buch in die Hand bekam von Fredy Knie's Freiheitsdressur. Es sprangen Funken über, ich wollte diese Pferde mit den Wallemähnen und dem gewaltigen Bewegungspotential kennenlernen.

In diesen Jahren hat sich mein (reiterliches) Leben enorm verändert.
Ich sah diverse Schaubilder anderer Rassen, anderer Klassen, anderer Reitweisen, anderer Möglichkeiten, sich mit dem Pferd zu beschäftigen und spürte, dass es das, was ich suchte, auch schon in Deutschland zu geben schien.
Und ich sah so vieles, was mich reizte, so dass mein Hannoveraner für alle diese neuen Ideen herhalten musste. Er war nie ein einfaches Pferd, hypersensibel und zu Panik-Attacken neigend, musste ich bei ihm in der Ausbildung schon tief in die Trick-Kiste greifen. Wir wuchsen zusammen, gingen durch etliche Höhen und manche Tiefen - und er hat mich zu einer Offenheit und Weitsicht erzogen, die uns enorm vielseitig werden ließ.
Seine Sensibilität hat ihre Vor- und Nachteile. Zehn Jahre früher wäre ich diesem Pferd nicht gewachsen gewesen, nun ist er mein "Leib-und-Seele-Pferd". Ich denke, wir kamen zur richtigen Zeit zusammen.
So hatte er z.B. Phasen, in denen er furchtbar schwierig über den Rücken an die Anlehnung heran vorwärts zu reiten war. Er verhielt sich und machte plötzlich Galoppsprünge fast auf der Stelle. Ich hätte ihn nun strafen können, denn diese Hampelei wollte ich nicht. Ihn zu strafen aber hat er mir sehr früh abgewöhnt - er verträgt überhaupt keine Strafe, nicht zu loben ist >
ihm Strafe genug. Ich fand in einem Buch etwas über die barocken Lektionen Terre á Terre, Mezair und Redopp, die ich nun inzwischen bei ihm abrufen kann, einfach weil ich ihm das, was er da anbot, nicht verbot. Natürlich bemühte ich mich erst darum, den Galopp wieder taktklar nach vorne zu reiten. Bis beides abrufbar war- der schöne dressurmäßige Galopp und jegliche Formen der Verkürzung bis hin inzwischen zu unserem ersten Galoppsprung rückwärts vor einigen Wochen.
Hätte ich dieses Pferd in eine der typischen Schablonen gepresst, wäre er ein Spring- oder Militarypferd geworden.

Wer hätte bei einem springtalentierten For-Pleasure-Sohn den Versuch gemacht, ihn in den barocken Lektionen oder in denen der Doma Vaquera zu fördern? Wer hätte ihn an den Langen Zügel genommen oder würde mit ihm nur mit Halsring ins Gelände gehen? Wenn die vielen "Schablonen-Reiter" doch nur wüssten, was ihnen entgeht...
Wie viele Dressurreiter kennen den frischen Wind im Gesicht bei einem schnellen Galopp über ein Stoppelfeld? Wie viele Springreiter hätten wohl ihre helle Freude an der Dynamik einer Kapriole - Barockpferde können nicht springen? Alle Pferde, die Kapriolen können, widerlegen dieses Voruteil eindrucksvoll!
Ich muss mich zum Glück nicht um eine Herde Rinder kümmern, möchte aber die Erfahrung nicht missen, mit einer Garrocha zu "tanzen". Und wie nahe ist man dem Pferd bei der Arbeit an der Hand, wie herrlich, die Mimik zu studieren und das Pferd ohne Reitergewicht neben sich eifrig und gespannt auf das nächste Kommando warten zu sehen. Welch' ein Gefühl von Freiheit, von Ungezwungenheit, mit einem Pferd ohne Zäumung, nur gelenkt durch einen Halsring, vertraut zu sein. Und immer wieder auf's Neue ergreifend, wenn das hochmotivierte Pferd immer mehr Lektionen zu "erfinden" scheint, einfach nur aus reiner Freude an der Mitarbeit und weil es keine Angst haben muss, bestraft zu werden, wenn es einmal die Initiative ergreift und etwas im Moment vielleicht Unerwünschstes tut.

Initiative ergreifen - dies tun normalerweise drei Sorten von Pferden:
Die eben Beschriebenen, die mit Vertrauen und Lebensfreude ihren Reiter ebenso zu genießen scheinen wie der Reiter sie, denn diese Reiter genehmigen ihrem Pferd gerne alle möglichen Freiheiten, da diese Pferde sie selten ausnutzen. Das ist die positivste Form der Eigeninitiative beim Pferd, die Sie erleben können.
Die beiden negativen Formen entwickeln zum Einen die überforderten Pferde aus Angst vor neuer Überforderung oder dem Nicht-Verstehen-Können, was von ihnen verlangt wird, zum Anderen - und von dieser Sorte Pferd gibt es viel mehr, als man annehmen mag: Die Unterforderten. Auch sie suchen sich irgendwann Auswege aus der Langeweile. Hierzu gehören auch "faule" Pferde. Es gibt keine faulen Pferde. In der Natur wäre ein faules Pferd sofort ein Opfer. Jedes Pferd lässt sich auf feine Reaktionen abstimmen. Faul sind Pferde, die zu viel, im falschen Moment oder generell falsch getrieben werden. Jedes Pferd, welches von Natur aus ein wenig Phlegma mitbringt, wird sich zu einem faulen Pferd (v)erziehen lassen. Trotzdem wird auch dieses Pferd auf der Weide, wenn der Ranghöhere kommt und ein Ohr einen Zentimeter zurücklegt, auf der Hut und gegebenenfalls sofort zur Flucht bereit sein.
Wenn Sie beobachten, mit wie unglaublich wenigen Gesten Pferde in der Herde auskommen, dann muss man sich doch fragen, warum es aller möglichen Kraft, Gewalt und Zwangsmittel bedürfen sollte, ein Pferd zu Dingen zu bewegen, die ihm rein vom Bewegungsablauf her im Blut liegen.
Je interessierter ein Reiter an Aus- und Weiterbildung ist, je offener für verschiedene Möglichkeiten, sich mit dem Pferd zu befassen, um so größer seine Chance, dem Pferd wirklich gerecht zu werden.
Wer glaubt, seinem Pferd gerecht zu werden, weil es auf einer grünen Wiese steht und ab und zu nur mal ein bisschen ins Gelände gehen soll, der kann diesem Pferd eventuell sehr Unrecht tun.
Es gibt Pferde, die mit sehr wenig oder gar ohne Weide auskommen müssen, deren Haltung sicher nicht optimal ist, die aber trotzdem hochmotiviert und leistungsfähig sind - einfach weil sein Reiter es versteht, diesem Pferd gerecht zu werden, indem er es in geeignetem Maße fordert.
Vielleicht kann das nur nachvollziehen, wer einmal erlebt hat, wie ein Pferd aufblühen kann, welche Schönheit und Ausdrucksstärke es erlangen kann, nur weil es im richtigen Maße gefordert und gefördert wird - physisch wie psychisch.
Pferde machen keine Fehler, sie nutzen nur ihre Möglichkeiten aus. Wenn Sie also der Meinung sind, die Hilfe doch korrekt gegeben zu haben und das Pferd macht trotzdem etwas anderes, dann mögen Sie die Hilfe durchaus technisch korrekt gegeben haben. Aber alleine das Angaloppieren zum Beispiel kann einem Pferd auf so unglaublich vielfältige Weise vermittelt werden, so dass gutes Reiten erst beginnen kann, wenn im Laufe der Zeit zu guter Technik eine gehörige Portion Gefühl und Einfühlungsvermögen gekommen sind. Dies erlaubt uns erst, für (fast) jedes Pferd den richtigen "Knopf" zu finden, ihm unsere Wünsche so zu vermitteln, dass es eine reelle Chance hat, dieser Bitte in der gewünschten Art und Weise nachzukommen. Dies wird das Pferd um so lieber und ausdrucksstärker tun, auf je feinere Einwirkung es abgestimmt ist und je besser der Reiter damit umzugehen weiß.
Hierzu gehört Können und Wissen, und jeder Reiter, ganz gleich, mit welcher Anfangsidee er in den Reitsport einsteigt, sollte sich verpflichtet fühlen, zum Wohle der Pferde sich so viel Können und Wissen anzueignen wie möglich. Und dies nicht beschränkt auf die zwei, drei "Schulfächer", sondern auch auf die zwanzig weiteren...
Jedes - jedes! - Pferd, welches in einigermaßen artgerechter Haltung aufwachsen durfte und körperlich sowie gesundheitlich keine gravierenden Mängel aufweist, sollte in der Lage sein, die Lektionen einer M- bis S-Dressur zu erlernen (hiermit ist nicht gemeint, dass es diese Prüfungen gewinnen können soll!), Sprünge der Klasse L bis M zu überwinden, im Gelände durch Wasser und über kleine Sprünge zu gehen, etwas hinter sich her zu ziehen, sich vom Boden aus arbeiten zu lassen, zirzensische Lektionen zu erlernen (die eine sehr positive Auswirkung auf die Beweglichkeit und damit auf die Gesundheit haben können!), mit verschiedenen Ausrüstungen geritten zu werden und die eine oder andere "schwerere" Lektion zu erlernen.
Es gibt Pferde, die wirklich gerne springen. Wer nicht springen möchte, kann sein Pferd freispringen oder unter einem anderen Reiter springen lassen.
Von den vielen, vielen Pferden, die mir inzwischen begegnet sind, waren die zufriedensten, "glücklichsten", ausnahmslos die, die sehr vielseitig und teilweise sehr weit ausgebildet waren. Die "unglücklichsten" waren die "Schablonenpferde", die im Prinzip jahraus, jahrein dieselbe Aufgabe hatten - ihren Reiter in immer denselben Kringeln durch immer dieselbe Halle oder durch immer denselben Wald zu tragen, jahrelang auf demselben Niveau.
Stillstand ist Rückschritt, und dies ist solchen Pferden anzumerken.
Kann Ihr Pferd Kompliment?
Geht es an der Hand neben ihnen seitwärts?
Können Sie mit ihm in lockerer, oder auch ohne, Anlehnung in ruhigem Tempo über ein Stoppelfeld galoppieren?
Darf es auch mal "Fehler" machen oder wird es dafür sofort zurechtgewiesen?
Können Sie es unangebunden putzen?
Vielleicht wissen Sie noch gar nicht was Ihr Pferd so alles auf Lager hat. Lassen Sie es sich zeigen! Gehen Sie offen und mit Vertrauen auf Ihr Pferd zu, erweitern Sie Ihren Horizont durch Aufführungen, Lehrgänge, Bücher, Videos und Gespräche mit anderen. Lassen Sie sich von Ihrem Pferd begeistern, von seiner Vielseitigkeit, von seinen Möglichkeiten, und begeistern Sie Ihr Pferd durch Offenheit, Toleranz, Geduld und Liebenswürdigkeit - dann bekommen Sie genau das zurück.

Und noch viel mehr, denn -
jedes Pferd will!
www.team-legerete.de

Aus der Zeitschrift “Lègeretè” Ausgabe 3 (Winter 2004/2005)